
Die Skinheads gingen grundsätzlich aus zwei verschiedenen Jugendgruppen in den frühen 60ern in England und Jamaica hervor….
1. MODS (Kurform von Modern oderModernists), vorrangig weisse, britische Jugendliche mit einem ausgeprägten Hang zur damalige Mode, die man auf der Londoner Carnaby Street zu kaufen bekam, italienische Roller von Vespa und Lambretta und einem auserwählten Musikgeschmack, der von Bands wie The Who und Small Faces über amerikanischen Soul, R&B und jamaikanischen Ska reicht. Heisse Nighter-Besuche in Dancehalls und Scooter Rallies irgendwo an der britischen Küste, immer wieder von Zwischenfällen gegen verfeindete Rocker gezeichnet – all das beschreibt die Ecken und Enden des Mod Lifestyles. Jene Mods, die auf ihre Herkunft aus der Arbeiterklasse stolz waren und dies auch nach Aussenhin zeigten, wurden Hard-Mods genannt und allmählich entstanden aus ihnen dann die Skinheads.
2. RUDE BOYS (aka Rudies or Rudy), vorrangig schwarze jamaikanische Jugendliche, die den amerikanischen Gangsterlook aus dieser Zeit übernahmen – Anzüge, dünne Krawatten, Pork Pie Hüte und Sonnenbrillen. "Rude Boys" waren auf Jamaika junge Verbrecher oder irgendwie Strassengauner. In Verbindung mit makellosen Äusseren, waren die originalen Rude Boys auf Jamaika bekannt für ihre Attitüde, ihre Verachtung gegenüber Autoritäten und ihrer Neigung zu Gewalt. Trotz ihres Auftretens und ihrer zwielichtigen Ausstrahlung, hatten Rude Boys eine große Leidenschaft für Reggae, Ska und Rock Steady.
Elemente dieser beiden Gruppen verschmolzen in den Arbeitervierteln Englands miteinander, wo jamaikanische Immigranten Tür an Tür mit weissen Jugendlichen wohnten und aus ihnen entstanden die Skinheads. Zu einer Zeit, wo man sich in Amerika noch mit der Rassentrennung umherschlagen musste und es deswegen etliche Ausschreitungen gab, vermischten sich die originalen Skinheads mit Jamaikanern in den Dancehalls und erfreuten sich der Klänge von schwarzen Reggae & Ska Musikern. Der große Appetit auf gute Musik wurde von Plattenlabels wie Trojan oder Pama gestillt.
Aber das schöne Bilderbuchszenario war natürlich nicht immer von aktuellem Stand. "Aggro" war und ist ein ständig vorhandener Punkt in der Skinheadszene – aber auch nicht mehr als bei anderen Jugendkulturen, die der Strasse entsprangen. Ganz egal ob man ein Mod, Rudy, Ted, Rocker, Skinhead oder später ein Punk war. Egal ob auf dem Schulhof oder im Stadion, Gewalt spielte immer eine Rolle. In einer Gegend, in der vorrangig Arbeiter wohnen, ist nicht sehr vie Platz für ein andauerndes, friedliches Beisammensein.
Rivalisierende Fußballmannschaften oder besser deren Anhänger und ein paar Bier zuviel haben sicherlich am meisten dazu beigetragen, dass Gewalt auf der Strasse eigentlich immer ein Thema war. Aber eigentlich war das eher auch ein Problem der breiten Masse, als speziell eines der Skinheads. Aber die Überpräsenz in den Medien und teilweise auch diverse rechten Gruppierungen haben im Laufe der Zeit dafür gesorgt, dass Skinheads immer mehr mit Rassismus in Verbindung gebracht wurden. Die National Front erreichte in den 70er Jahren hohe Wahlerfolge in Nordengland – was selten an die Öffentlichkeit gelangte, war die Tatsache, dass der Großteil der Skinheads mit Rassismus nichts am Hut hatte, oder klar antirassistisch war. Aber das Klischee und die Vorteile bleiben dennoch bis heute bestehen.
Ausgrenzung war für Skinheads nichts Neues, als Skinhead war man schwer zu übersehen. Das Autreten war geprägt von britischen Marken wie Ben Sherman oder Fred Perry, soviel feine Anzüge, Pork Pie Hüte (eher als Abendgarderobe), genauso wie von Levi´s Sta Prest Jeans, Hosenträger, Crombies und Doc Marten´s Stiefeln. In den Medien wurden immer wieder amerikanische Astronauten als maßgeblicher Einfluss für die rasierten Köpfe der Skinheads angegeben, aber die meisten Quellen weisen darauf hin, dass der kurze Haarschnitt eigentlich eher ein jamaikanischer Einfluss war.
Es war immer wieder auffallend, dass Skinheads einen starken Kontrast zur damaligen Hippie-Bewegung bildeten. Hippies waren Feindbild No.1: die aufgesetzte Rebellion aus der Mittelschicht, drogenverseucht und pseudointellektuelles Herumgeschwafel, religiöse Ansätze und poltischer Protest war eigentlich das komplette Gegenteil von dem, was einen Skinhead ausmacht: der Stolz auf die Arbeiterklasse, die Liebe zum eigenen Land und vieles mehr. Diese Reibungspunkte liessen die Skinheads in den Medien der breiten Masse in Großbritannien natürlich nicht gut dastehen. Aber egal – Skinheads konnte man einfach nicht ignorieren, an ihnen führte kein Weg vorbei!
ENGLAND, 1966: Entsprungen aus der Modszene entwickelt sich eine neue Jugendkultur. Jamaikanischer Reggae und Ska, kurze Haare und ein entsprechendes Auftreten sollte die Wurzeln der Arbeiterklasse charakterisieren. Diese neue Bewegung nannte man "Skinheads."
Der Mix aus Mod und den jamaikanischen Rude Boys (später kam auch noch 2 Tone, Punk, Oi und Hardcore auf) ist das, was die Skinheads zu einer neuen, eigenständigen Bewegung formte. Am Anfang lief alles noch gut, aber als die Zahlen höher wurden und Skinheads allmählich in ganz Großbritannien auftauchten, folgten schnell die Zeitungsberichte über Betrunkene, Fussballrandale und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Einige Berichte hatten bestimmt ihre Berechtigung, aber die meisten wählten eine sehr übertriebene Darstellungsweise.
Die ständigen negativen Schlagzeilen der britischen Medien und das Aufkommen von rechten Strömungen in den 70ern sorgten dafür, dass das Bild der Skinheads sich immer mehr veränderte und plötzlich zum Feindbild der Gesellschaft wurde: gewalttätig, rassistisch und kriminell. Zu dieser Zeit – in den 80er Jahren - entwickelten die amerikanischen Medien (und Hollywood) das erste Mal Interesse für Skinheads und so wurde nur dieses negative Image übermittelt.
Der Original Spirit der Skinheads hat bis heute trotz all der Fehlinformationen angehalten und kann sich gut behaupten. Der Sinn für die Arbeiterklasse und den Stolz darauf findet man auf der ganzen Welt – in Europa, wie in Amerika, Malaysia und wieder zurück. International und multikulturell – Skinheads kennen keine Grenzen. Die Musik, der Stil und die Einstellung findet auf der ganzen Welt Anhänger von neuen Generationen, ganz egal welcher Regligion, Rasse oder Nationalität man angehört. Diese Dokumentation soll diesen Spirit näherbringen.
Das hier ist bestimmt nicht die komplette, allumfassende Geschichte der Skinheads, lediglich eine kurze Einleitung und Erklärung für den Inhalt dieser Dokumentation.