
Schon in meiner Jugend hörte ich Punkrock, Oi und Hardcore-Musik. Als ich gerade 15 Jahre alt wurde, verbreitete sich Punkrock auf der ganzen Welt und das war genau das, was mich bewegt. Ich wuchs in einem Vorort von Washington D.C. auf und war ein typischer Jugendlicher der 80er Jahre Ära. Ich konnte Reagan nicht ausstehen und liebte Punk und Oi!. Hardcore kam dann noch ergänzend dazu. Zu dieser Zeit kamen eine Menge guter Bands in Dc auf, aber auch überall anderswo in Amerika. Aber was mich wirklich faszinierte, war die Sache die zu dem Zeitpunkt in England abging.
Mein Vater ist gebürtiger Engländer, er stammt aus Gravesend, Kent – in Süd-England. Schon mit 6 Monaten fuhren wir das erste Mal im Sommer nach England, um meine Großeltern zu besuchen. Das machten wir jeden Sommer so. Meine Großeltern wohnten in einem kleinen Reihenhaus am Fuße eines Hügels und man hatte einen wunderbaren Ausblick auf die Themse. Vom Eingangstor aus konnte man alle die großen Tankschiffe sehen, die in den Hafen einfuhren. Meine Großeltern hatten einen kleinen Schutzbunker hinten im Garten, noch aus dem 2. Weltkrieg und sie heizten noch ausschliesslich mit Kohlen. Da war die Zeit noch richtig stehengeblieben.
Gravesend war schon immer eine Arbeiterstadt, speziell entlang der Küste. Mein Großvater arbeitete früher als Arbeiter in einer Zementfabrik und später dann als Wartungsarbeiter in einer Papiermühle am Ufer der Themse. Bei unseren Besuchen in den Sommerferien sah ich immer wieder junge Skinheads und Punks, die durch die Strassen gingen. Kahlrasierte Schädel, schwere Boots, gebleichte Jeans und Jeansjacken. Irokesen, Nietenlederjacken und zerrissene T-Shirts. Sowas vergisst man nicht so schnell.
In den frühen 80ern war ich in London, ein bißchen die Sehenswürigkeiten anschauen und auch bei HMV und Virgin – damals die größten Plattenläden in London zu dieser Zeit. Ich sah Massen an Skinheads und Punks am Piccadilly Circus und dachte mir damals "Sowas gibt es bei uns zuhause nicht, nicht in solch einer Menge." Ich war wahnsinnig aufgeregt und schnell fand ich Gefallen an der Musik, dem Style und dem DIY-Ding.
Als ich wieder daheim war – ich ging gerade auf die High School, startete ich mein eigenes Fanzine "Demise of Power." Es war voll von unpolitischen Parolen, Zeichnungen, Punkbands und Plattenkritiken. Ich hatte sogar ein Interview mit David Grohl (Nirvana/Foo Fighters) dabei, als er noch ein ganz unbekannter Typ war und seine erste Band, Mission Impossible, hatte. Das war der Grundstein für meine Mitarbeit bei größeren Fanzines wie dem Maximum Rock 'n' Roll, The Pit, Jersey Beat und Propaganda. Das spielte sich alles zu meiner Highschool Zeit ab, danach packte ich aber meine beste Chance und begann als Ost-Küsten Korrespondent beim Flipside-Magazin aus Los Angeles.
Meiner Meinung nach war das Flipside das beste Fanzine überhaupt. Es war nicht irgendwie voreingenommen oder ignorant wie das MRR und deckte eine breite Sparte an Alternative-Musik ab. Zumal war es auch das am am meisten verbreitete Zine in den späten 80ern, es wurde ind er ganzen Welt verschickt. Ich machte Interviews mit AGNOSTIC FRONT, KILLING TIME (RAW DEAL), ANTI-HEROS, THE BOSSTONES, NO FOR AN ANSWER, 24-7 SPYZ, DAVE SMALLEY (DYS, DAG NASTY, ALL), VISION, WRECKING CREW, SHEER TERROR und vielen anderes. Immer wieder unterstütze ich auch Oi Bands aus dem Staaten und von auswärts, schrieb positive Reviews, während die anderen Medien in den späten 80ern fast ausschliesslich negative Berichte über die Szene brachten.
In den 90ern kam dann plötzlich die schreckliche Grunge-Phase auf und ich hatte keinen Bock mehr auf all das Zeugs und widmete mich anderen Interessen. Eine davon war die Bearbeitung von Videos. Es war so die Dekade von ROMPER STOMPER und AMERICAN HISTORY X – zwei Filme, die ich absolute unpassend fand, wegen dem, was sie vermitteln. Das Skinhead-Ding wurde also nun auch noch von Hollywood verwurstet, nachdem es durch die normalen Printmedien schon ordentlich versaut wurde. Auf der anderen Seite wurde Punk richtig populär, das war so die Phase von Green Day, The Offspring und einem ganzen Haufen an irgendwelchen Wannabe-Bands. Good Charlotte zum Beispiel, was für ein gottverdammter Scheissdreck. Mit solchen Sachen wollte ich gar nichts zu tun haben. In den späten 90ern produzierte ich ein unabhängiges Kabelprogramm für Nachtclubs. Da gibt es um Trance und andere elektronische Musik (Progressive House, Electro, Jungle/Drum and Bass, etc.) Da waren schon so einige Parallelen zwischen den verschiedenen Richtungen von Underground-Tanzmusik und den Subkulturen, die beeinflusst wurden (wie Skinhead Reggae und Ska).
Im neuen Jahrtausend angekommen und fast 40 Jahre alt, habe ich mich entschlossen, einen Film zu machen, das wollte ich immer schon tun. Ich hatte über MySpace Kontakt mit Sab Grey von IRON CROSS und daraus entstand dann unser SKINFLINT PRESS und der Plan für einen Film begann, Formen anzunehmen. Es gibt zwei Filme, die mich zu der Zeit beeinflussten: THIS IS ENGLAND und PUNK´S NOT DEAD.
Ursprünglich sollte es eigentlich eine Dokumentation über Iron Cross werden und über die Bücher, die Sab Grey geschrieben hatte, wo es um seine vergeudete Jugend als Skinhead in DC geht. Der Titel SKINHEAD CROSS CULTURE entstand also aus dem Mix der Themen, einerseits eben Skinhead und die unterschiedlichen Kulturen, andererseits aber auch eine Anlehnung an Iron Cross. Eigentlich war Sab derjenige, der den Vorschlag gemacht hat, auch andere Bands in den Film miteinzubeziehen. THE TEMPLARS, PATRIOT, MURPHY'S LAW, DEAD END BOYS und KEYSIDE STRIKE. Im Laufe der Zeit kamen dann noch die anderen Bands dazu - THE AGGROLITES, BLUEKILLA, HUB CITY STOMPERS, PERKELE, DARKBUSTER, SKINFLICKS und AML, um die Dokumentation abwechslungsreicher zu gestalten und die Subkultur als Ganzes zu beleuchten.
Im Herbst 2007 haben die Dreharbeiten begonnen und es dauerte mit Pausen ein ganzes Jahr bis zur Fertigstellung. Die Bearbeitung dauerte das ganze erste Quartal von 2009 und die Dokumentation erschien im Sommer auf Dvd. Unified Pride Video LLC wurde gegründet um den Film zu veröffentlichen, nachdem kein anderer Interesse dafür zeigte. Das Feedback war sehr positiv und wurde von Sunny Bastards Deutschland lizensiert um in Europa veröffentlicht zu werden. Die Deutsch version bietet auch ein paar weitere und neue Extras als Bonusmaterial.
Ich bin auf diese Dokumentation sehr stolz und bedanke mich bei all den Bands und den anderen Beteiligten, die mich irgendwie unterstützt haben. Vielleicht kann es den einen oder anderen DIY Filmemacher dazu bewegen, auch ihre Filme zu veröffentlichen und ihre Ansichten zu präsentieren. Ansonsten werde ich jetzt einmal weiterschauen, wohin mich dieses Projekt bringt….
Stay true. ~Bryan
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